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Artnet Magazin 27. April '12: Douglas Gordon
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Berliner Morgenpost 14.12.1999

Bilder im Zustand der Unsichtbarkeit

Monotypien und andere Grafiken von Per Kirkeby bei Niels Borch von Ulrich Clewing

Oft wird die Druckgrafik als Kunst zweiter Ordnung angesehen, als Anhängsel und Variation der klassischen Gattungen Malerei, Bildhauerei und Zeichnung, wobei die Aura des Originals ersetzt wird durch die Option grösserer Verbreitung mittels Auflagensteigerung. Das stimmt - und stimmt auch wieder nicht. Einerseits stellt die Fertigung der Druckplatten eine Tätigkeit dar, die man prosaisch mit dem Zeichnen, Malen oder Skulptieren vergleichen kann. Andererseits sind Liebhaber der Druckkunst Menschen, die eine strenge Schule des Sehens durchlaufen haben. Sie haben über die Jahre ein Sensorium entwickelt, welches sie für feinste Details empfänglich macht: der Lauf einer Linie, die Weise, wie die Druckerfarbe ins Papier gesickert ist, und dergleichen mehr. Das nimmt bisweilen beinahe metaphysiche Züge an, dann nämlich, wenn von der Metamorphose der Grafik die Rede ist: Der Künstler bearbeitet ein Stück Metall oder Holz, und was er dafür bekommt, ist ein Blatt Papier. Und doch: Ohne den Drucker wäre das alles nichts.

Der gelernte Lithograf Niels Borch, 1952 in Kopenhagen geboren, dort ansässig und seit 1979 Inhaber einer eigenen Druckwerkstatt, zählt in Fachkreisen zu den besten Druckern überhaupt. Im Herbst vergangenen Jahres eröffnete er mit Isabelle Du Moulin eine Dependance in Berlin - einmal, um hier neue Kunden zu werben, zum anderen, um in seinem Ausstellungsraum die Kunst zu präsentieren, die auch und nicht zuletzt die seine ist. Gegenwärtig zeigt er grafische Arbeiten seines Landmannes Per Kirkeby. Neben einigen älteren Editionen sind dies vor allem drei grossformatige, vor wenigen Wochen entstandene Monotypien. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Einzelstücke. Man könnte sie daher Gemälde nennen, wäre da nicht die besondere Art der Herstellung. Die Komposition eines Gemäldes lässt sich beliebig korrigieren, bei einer Monotypie muss der erste Wurf sitzen, auf Gedeih und Verderb: Der Künstler malt auf eine Metallplatte, anschliessend wird, bevor die Farbe trocknet, gedruckt. Ob das Bild gelungen ist, wird erst offenbar, wenn das Blatt durch die Presse gezogen ist. Bis dahin befindet sich das Werk also streng genommen im Zustand der Unsichtbarkeit.

Per Kirkeby ist ein Maler, dem dieses Druckverfahren besonders zupass kommt. Die Verbindung von Abstraktion und Figurattion, von gestischer Bewegtheit und zeichnerischer Linearität, der biomorphe Charakter, der sich in seinen Gemälden wiederfinden lässt, wird in seiner Grafik noch gesteigert. Freilich wäre das nicht möglich ohne die Mithilfe des Druckers. Normalerweise werden Monotypien mit den gängigen, handelsüblichen Farben hergestellt. Anders bei Niels Borch: Er war es der eine spezielle, hochgradig fluide Mischung von Druckfarbe anrührte, deren Beschaffenheit eine wunderbare Delikatesse bewirkt. Dazu gesellen sich weitere Eigenheiten des Verfahrens: Werden Blätter in mehrmals in rascher Folge hintereinander gedruckt, so bleibt an der Platte stets ein wenig Farbsubstanz haften, die sich dann auf das nächste Blatt abdrückt. Wer einmal KirkebyÕs Gemälde begegnete, weiss, dass diese Form des Zufalls geeignet ist, den Künstler in Entzückung zu versetzen. Kirkeby ist ein wahrer Virtuose der scheinbar absichtslos dahingeworfenen Zeichnung. Hätte es diese, um Francis Bacon zu zitieren, " Unfälle" nicht schon früher gegeben, man hätte sie für Kirkeby erfinden müssen. Und Niels Borch? ER wird sich weiterhin um sein Metier verdient machen. Nach der Sommerpause ist als nächste Ausstellung eine Präsentation von Druckplatten von Max Beckmann geplant. sie stammen aus dem Besitz der Familie Beckmann und gehören zu den absoluten Rarissima der Kunstwelt.





Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Juli 2000


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